Die Medaillen-Könner: Erik Heil und Thomas Plössel (49er)

Sie sind die erfahrensten und erfolgreichsten 49er-Segler im German Sailing Team und haben den deutschen Segelsport mit Bronze 2016 schon einmal jubeln lassen. Ihr Rückwärtssalto in die Fluten der Guanabara-Bucht unter Rios Zuckerhut bleibt unvergessen.

Erik Heil und Thomas Plößel. Foto: DSV/Lars Wehrmann
Erik Heil und Thomas Plößel. Foto: DSV/Lars Wehrmann

Jetzt nehmen Erik Heil und Thomas Plößel nach studienbedingter Pause erneut Kurs auf Olympia. Ihr Anspruch ist trotz der Auszeit hoch. Gelingt die Qualifikation für den zweiten Olympia-Start in Folge, wollen sie erneut aufs Podest segeln. Vorschoter Thomas Plößel sagt zur ehrgeizigen olympischen Zielsetzung mit Augenzwinkern: „Besser als beim letzten Mal.“ Steuermann Erik Heil benennt, was sein Team anstrebt: „Silber- oder Goldmedaille.“ Dass sie olympische Medaillen-Könner sind, haben die beiden für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) startenden Berliner schon bewiesen.

Seit dem 3. September 2019 ist die Crew nach absolviertem Physikum (Heil) und der zum Abschluss vorbereiteten Masterarbeit im Maschinenbau-Studium (Plößel) wieder intensiv im Einsatz. „Uns war wichtig, neben dem Segeln auch beruflich weiterzukommen“, erklärt Heil die mehrmonatige Abstinenz von Wettkampf- und Trainingsbühne. Priorität Nummer eins ist aber nun wieder die Olympia-Kampagne. Anfang Dezember beginnt mit der 49er-Weltmeisterschaft in Auckland die nationale Ausscheidung, die zu den härtesten hierzulande, aber auch international zählen wird. Denn neben den Routiniers Heil/Plößel kämpfen weitere deutsche Top-Crews um den bereits gesicherten olympischen Nationenstartplatz im 49er. Zu den Rivalen zählen Justus Schmidt/Max Boehme vom Kieler Yacht-Club, die Europameister von 2015 und WM-Fünften von 2017. Außerdem Tim Fischer und Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee), WM-Dritte von 2018. Und da sind noch die jungen und schnellen Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger vom Bayerischen Yacht-Club, die gerne in den nationalen Kampf um nur ein Olympia-Ticket im 49er eingreifen wollen. International werden die deutschen Skiffsegler um diese Güte in der Spitze beneidet, denn die macht stark. Die Trainingsgemeinschaft und Freundschaft zwischen Heil/Plößel und Schmidt/Boehme dauert bereits sieben Jahre an, überstand schon eine harte Olympia-Ausscheidung, in der sich Heil/Plößel durchsetzen konnten, aber bis zum Rio-Start von Schmidt/Boehme unterstützt wurden. Jetzt steht die laut Heil „beste Trainingsgruppe der Welt“, die auch internationale Sparring-Partner einbindet, vor ihrer zweiten Bewährungsprobe.

Erik Heil und Thomas Plößel. Foto: DSV/Lars Wehrmann
Erik Heil und Thomas Plößel. Foto: DSV/Lars Wehrmann

Seglerisch sind die bei Bundestrainer Marc Pickel trainierenden Erik Heil und Thomas Plößel als Binnensegler im Tegeler Segel-Club groß geworden. Heil begann als zehnjähriger Teamplayer direkt in der Zweihandjolle Teeny, Plößel legte den Grundstein für die Karriere im Alter von elf Jahren zunächst klassisch im Optimisten. Für beide war Michael Koster der wegweisende Jugendtrainer, der sie zusammenbrachte, als Mentor bis heute begleitet und auch beim bis dahin größten Triumph in Rio de Janeiro dabei war. Dass Erik Heil und Thomas Plößel bereits seit 2001 in einem Boot segeln, macht sie zu den erfahrensten deutschen Olympia-Seglern: Bald zwei Jahrzehnte segeln die Europameister von 2014 zusammen auf Erfolgskurs. Dass mit ihnen im Skiff erneut zu rechnen ist, zeigten die WM-Vierten von 2018 zu Beginn der Saison 2019 eindrucksvoll, als sie sich bei der Weltcup-Regatta vor Miami in schwierigen Bedingungen durchsetzten und die Briten Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell sowie die kroatischen Weltmeister Sime und Mihovil Fantela auf die Plätze zwei und drei verwiesen.

„Schnelle Entscheidungen, eine Portion Mut und eine gewisse Abgezocktheit“

Legendärer Rückwärtssalto in Rio: 2016 gewannen Heil/Plößel Bronze. Foto: Sailing Engery
Legendärer Rückwärtssalto in Rio: 2016 gewannen Heil/Plößel Bronze. Foto: Pedro Martinez/Sailing Engery

„Für uns ist der 49er das beste Boot, weil es am meisten Spaß macht, fordernd und technisch schwierig zu beherrschen und trotzdem auch taktisch anspruchsvoll ist“, erklärt Heil die Skiff-Affinität. Für den 30-Jährigen bedeuten Olympische Spiele „den wichtigsten Wettbewerb und das größte Ziel eines Seglers“. Der leidenschaftliche Wakeboarder sagt: „Für uns ist Olympia ein ganz besonderes Event, weil es die Welt des Sports so emotional wie kein anderes repräsentiert.“

Musikalisch sind die beiden miteinander in traumwandlerischer Sicherheit auf dem 49er agierenden Segel-Akrobaten nur teilweise auf einer Welle: Heil mag „Old School Hip-Hop“, Plößel entspannt sich am liebsten bei „Queen, Seeed, Kalkbrenner und 80er-Jahre-Sound“. Plößels größte Stärke auf dem Wasser und auch an Land: „Spaß, wenn es geht, und Fokus, wenn gefordert.“ Erik Heil benennt drei große „Ks“ als seine Stärken: „Koordination, Kommunikation, Konzentration.“ Er weiß auch um die kleine Schwäche: Das Duo arbeitet an „mehr Speed im Chop bei sechs Knoten Wind.“

Die Charakteristika des kommenden japanischen Olympiareviers von Enoshima scheinen den Berlinern wie auf den Leib geschneidert: Die Allround-Gewässer, in denen fast alle Bedingungen herrschen können, liegen den Allround-Könnern. Dazu bringen die Berliner eine Besonderheit mit, die Erik Heil erklärt: „Je schwieriger und unberechenbarer die Winde, desto besser für uns.“ Mit ihrem Können auch in leichten, drehenden Bedingungen sind Heil/Plößel in der Segelnationalmannschaft eher die Ausnahme. Thomas Plößel, der es „liebt, im 49er übers Wasser zu fliegen“, weiß, was in seiner Bootsklasse gefordert ist: „Schnelle Entscheidungen, eine Portion Mut und eine gewisse Abgezocktheit.“ Vielleicht ein gutes Omen: Ihr Boot heißt wie schon beim Bronze-Coup 2016 wieder „Gyde“, ist nach der Frau von Förderer und Mentor Gunter Persiehl (NRV) benannt. Heils Medaillentipp für die Segelnationalmannschaft bei Olympia 2020: „Ein- bis zweimal Edelmetall.“ Eins davon will er mit Thomas Plößel selbst ansteuern.

Steckbrief Erik Heil

Position: Steuermann

Bootsklasse: 49er

Geboren: 10. August 1989

Geburtsort: Berlin

Wohnort: Kiel

Verein: Norddeutscher Regatta Verein

Trainer: Marc Pickel

Als Crew in einem Boot seit: 2001

Größe: 1,85 Meter

Beruf: Student Medizin (absolviertes Physikum)

Sponsoren und Partner: Red Bull, Salzbrenner, Mattfeld, MACS Shipping, NRV, DSV, Stiftung Deutsche Sporthilfe, Team Hamburg

Steckbrief Thomas Plößel

Position: Vorschoter

Bootsklasse: 49er

Geboren: 29. April 1988

Geburtsort: Oldenburg (Oldb.)

Wohnort: Berlin

Verein: Norddeutscher Regatta Verein

Trainer: Marc Pickel

Als Crew in einem Boot seit: 2001

Größe: 1,81 Meter

Gewicht: 80 Kilogramm

Beruf: Masterstudium Maschinenbau

Sponsoren und Partner: Red Bull, Salzbrenner, Mattfeld, MACS Shipping, NRV, DSV, Stiftung Deutsche Sporthilfe, Team Hamburg