Das German Sailing Team hat die neuen Kaderathletinnen und -athleten für 2026 berufen. Insgesamt sind 46 Seglerinnen und Segler im Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskader.
Acht Top-Athletinnen und -Athleten haben sich mit herausragenden Leistungen für den Olympiakader qualifiziert:
- Die WM-Silbermedaillengewinner: Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) im 470er
- Die WM-Achten: Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee) im 470er
- Die Olympia-Sechste und WM-Dritte: Theresa Steinlein (Norddeutscher Regatta Verein) im iQFOiL-Windsurfen
- Die WM-Fünften: Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee) im 49er FX
- Der WM-Achte und 2024 noch U21-Junioren-Vizeweltmeister: Jan Vöster (Württembergischer Yacht-Club) im Formula Kite
Der Olympiakader: Leistung und Inspiration
Der Cheftrainer des German Sailing Teams, Dom Tidey, sagt mit Blick auf den neu formierten Olympiakader für 2026: „Mit Simon Diesch und Anna Markfort im 470er und Theresa Steinlein im iQFOiL haben wir in diesem Jahr gleich drei WM-Medaillengewinnerinnen und -gewinner dabei. Das ist fantastisch.“
Dom Tidey weiter: „Wir haben mit Sophie Steinlein und Cathy Bartelheimer die Fünftbesten der FX-Weltmeisterschaft. Jan Vöster ist ein ‚New Kid on the Block‘, der bei den Kitern aufsteigt – sehr vielversprechend. Und dann ist da die schöne Geschichte von Theres Dahnke und Paco Melzer, die im vergangenen Jahr nicht im Kader waren, ihre Kampagne aber zusammenbekommen haben, ihre Ziele erreicht und die Olympiakader-Kriterien bestätigt haben. Sie haben zu keinem Zeitpunkt den Kopf in den Sand gesteckt und sich selbst bemitleidet. Ich denke, das ist eine tolle und inspirierende Geschichte und Leistung.“
Alle sind Top-Athletinnen und -Athleten auf Kurs Los Angeles 2028. Die 470er-Crews sind mit zwei Duos stark im Olympiakader vertreten. Anna Markfort sagt: „Der Olympiakaderplatz spiegelt die Leistungen der Saison wider. Es fühlt sich so an, als seien wir wieder da, wo wir hingehören. Diese Wertschätzung ist für mich wichtig.“
Über die 470er-Trainingsgruppe, der auch Theres Dahnke und Paco Melzer und die Perspektivkader-Crew Theresa Löffler und Christopher Hoerr angehören, sagt Anna Markfort: „Diese Dreier-Konstellation ist super. Mit beiden anderen Teams arbeiten wir schon sehr lange zusammen. Die Trainingsgruppe ist sehr homogen, pusht sich auf dem Wasser, kommt an Land auch super klar. Das macht Spaß, auch in der Konstellation mit unserem Trainer Steve Lovegrove.“
Auf Kurs LA28: „Das Ziel ist da, das Feuer brennt“
Das 470er-Duo Theres Dahnke und Paco Melzer wurde erstmals in den Olympiakader berufen. Die Steuerfrau sagt: „Der Platz im Olympiakader ist eine Bestätigung, dass es sich gelohnt hat, durchzuhalten.“ Dahnke und Melzer erhalten ebenso wie drei andere Mitglieder des Olympiakaders einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr.
Was Theres Dahnke antreibt? „Nicht nur eine Sache. Segeln ist für mich seit meiner Kindheit eine Leidenschaft. Der Sport gibt einem so viel, fordert aber auch viel. Ich kann mir ein Leben ohne olympisches Segeln nicht vorstellen. Das Ziel ist da, das Feuer brennt.“
Windsurferin Theresa Steinlein hat schon bei ihren ersten Olympischen Spielen als Sechste gezeigt, dass sie zu den Besten zählt. Die Windsurferin war bereits im Olympiakader und hat ihren Platz in diesem Jahr mit WM-Bronze eindrucksvoll bestätigt. Sie sagt: „Ich beschäftige mich eigentlich gar nicht so stark mit dem Kaderstatus. Ich will mehr schaffen als einen Status. Aber es sagt einem natürlich, dass man in der Spitze angekommen ist.“
Doppelt stark: Zwillingsschwestern im Olympiakader
Top-Athletin Theresa Steinlein trainiert überwiegend in Italien am Gardasee: „Ich bin dankbar, dass ich im Ausland trainieren darf. Ohne diese Freiheit wäre ich nicht so gut wie jetzt. Da bin ich glücklich, dass mich der Verband unterstützt.“ Inzwischen ist die „Dottoressa in Economia Internazionale“ noch glücklicher, denn auch ihre eine Minute ältere Zwillingsschwester Sophie Steinlein wurde mit ihrer 49er FX-Vorschoterin Cathy Bartelheimer in den Olympiakader aufgenommen. Zwillinge hat es im „OK“ des German Sailing Teams noch nie gegeben.
„Das ist richtig cool für uns“, sagt Theresa Steinlein. „Wir können uns beide für die Spiele qualifizieren. Das ist unser großer Traum, dass wir zusammen hinfahren.“ Genauso sieht es Sophie Steinlein: „Es ist eine kleine Auszeichnung, dass wir bestes 49er FX-Team sind. Und cool, dass auch Theresa im OK ist und wir jetzt beide zu den besten Teams zählen.“
Zu ihren olympischen Zielen sagt Sophie Steinlein: „Ich trainiere nicht, um dabei zu sein. Ich habe so viel dafür aufgegeben, hätte SailGP oder auch Women’s America’s Cup machen können. Ich habe aber dieses Ziel und will alles dafür geben. Wenn ich später zu anderen Herausforderungen zurückkomme, dann werde ich besser sein.“
Der Jüngste im Olympiakader: Jan Vöster
Immer besser in Fahrt kommt Jan Matthis Vöster. Der Formula-Kiter ist mit 21 Jahren der Jüngste im Olympiakader. „Das ist eine tolle Anerkennung und Bestätigung meiner Leistungen. Es bedeutet extrem viel Freude, weil es eine mega Unterstützung ist. Wir machen das alle in Vollzeit und mit viel Liebe und Engagement. Wenn Leistungen sich dann so in den Ergebnissen niederschlagen und durch den Kaderplatz bestätigen, ist das richtig gut“, sagt Jan Vöster.
Der aufstrebende Kiter hat gerade erst sein erstes Seniorenjahr absolviert und sagt: „Es ist so gut gelaufen. Ich habe Lust, mich weiter zu verbessern, zu schrauben.“
Der Perspektivkader: mit Olympia-Zielen ins neue Jahr
Neu formiert wurde für das Jahr 2026 auch der Perspektivkader mit 28 Athletinnen und Athleten, von denen zwei Teams – die 49er-Olympia-Elften Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) und ILCA-7-Steuermann Justin Barth (Berliner Yacht-Club) – eine Zwischenüberprüfung bei deren jeweiligen Weltmeisterschaften erfahren.
Kitesurfer Jannis Maus, als Fünfter einer der besten DSV-Akteure bei Olympia 2024, schreibt aktuell seine Doktorarbeit und wurde in den Perspektivkader berufen. „Ich bin gerade ziemlich happy mit dem Perspektivkader-Platz. Mir war bewusst, dass ich im ersten Jahr, in dem ich viel mit der Doktorarbeit ranklotze, etwas zurückstecken muss. Das meiste ist aber im Olympiakader wie im Perspektivkader gleich“, sagt Jannis Maus.
In den Perspektivkader wurden im 49er auch die „Shooting Stars“ der Saison 2025 berufen: Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) hatten das nacholympische Jahr als neu formierte Crew mit zweimal Silber bei den großen europäischen Regatten in Spanien und Frankreich herausragend eröffnet, bevor sie bei der WM Zehnte wurden und die Olympiakader-Kriterien knapp verpassten.
Im 49er FX wurden die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) ebenso in den Perspektivkader berufen wie ihre Trainingskameradinnen Maru Scheel und Freya Feilcke (Kieler Yacht-Club), die Juniorinnen-Europameisterinnen Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze (Württembergischer Yacht-Club/Segelkameradschaft Leopoldshofen) und die auch im SailGP aktive Anna Barth mit Vorschoterin Emma Kohlhoff (Kieler Yacht-Club). Damit demonstrieren gleich vier ehrgeizige Duos neben den Olympiakaderseglerinnen Steinlein/Bartelheimer die hohe Schlagkraft der deutschen Skiffseglerinnen.
Wieder dabei ist Nik Aron Willim. Der ILCA-7-Segler hat ein Jahr pausiert und steigt nun vereinbarungsgemäß wieder ins Leistungssegeln ein.
Nachwuchskader NK 1: Die nächste Generation kommt
Zu den OK- und PK-Mitgliedern kommen weitere zehn Sportlerinnen und Sportler im Nachwuchskader. Hier wird beispielsweise die aufsteigende iQFOiL-Windsurferin und Kieler-Woche-Vierte Sophia Meyer (Verein Seglerhaus am Wannsee/Windsurfing Verein Berlin) gefördert. Drei junge 49er-Brüder-Crews – Anton Sach und Johann Sach (Lübecker Yacht-Club), Per und Frederik Schwall (Kieler Yacht-Club) und die Zwillinge Lucas und Moritz Hamm (Chiemsee Yacht Club) – zeigen, wie stark der Nachwuchs in der männlichen olympischen Skiffklassen ist.
Kaderkriterien nicht erfüllt, Rückkehr bleibt möglich
Einige Sportlerinnen und Sportler haben die Kriterien zur Berufung nicht erfüllen können oder sind aus anderen Gründen ausgeschieden, unter anderem Alica Stuhlemmer und Philipp Buhl.
Die olympische Bronzemedaillen-Gewinnerin im Nacra 17 von 2021, Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club), war auf eigenen Wunsch ins olympische iQFOiL-Windsurfen umgestiegen, konnte aber das Mindestkriterium für die Saison nicht erreichen. Eine zukünftige Neubewertung und erneute Kaderzugehörigkeit in 2027 bleiben jedoch möglich.
Der ILCA-7-Weltmeister von 2020 Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Alpsee-Immenstadt) hat die Kaderkriterien ebenfalls nicht erfüllt, hat aber in der laufenden Saison über eine Top-Drei-Platzierung bei der Europameisterschaft die Chance zum Comeback.
Die Formula Kiterin und Olympia-Fünfte Leonie Meyer (Norddeutscher Regatta Verein), die gerade zum zweiten Mal Mutter geworden ist und gleichzeitig ihre Ausbildung zur Ärztin erfolgreich abgeschlossen hat, pausiert vorerst.
So funktioniert die Kaderberufung
Die Nationalmannschaft setzt sich aus dem Olympia-, dem Perspektiv- und dem Nachwuchskader 1 zusammen. Junge Seglerinnen und Segler werden zunächst in die Jugend-Nationalmannschaft, den Nachwuchskader 2, berufen.
Um ins German Sailing Team aufgenommen zu werden, müssen die Sportlerinnen und Sportler abhängig von ihrem Alter bestimmte Leistungen in ihrer jeweiligen Disziplin erbringen – die sogenannten Kaderkriterien.
Hier nachlesen: Wettkampfleistung für Olympische Kader
Hier nachlesen: Wettkampfleistung für Nachwuchskader U18-vorolympisch
Nach diesen formalen Kriterien schlagen die zuständigen Trainerinnen und Trainer die Segler*innen für die entsprechende Kaderstufe vor. Über die Kaderberufung entscheidet ein Gremium bestehend aus der/dem DSV-Vizepräsident*in für das olympische Segeln (dieses Amt hat bis zum Seglertag 2026 kommissarisch Sibylle Merk inne), DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, Cheftrainer Dom Tidey, dem Referent Leistungssport Frithjof Blom und dem amtierenden Athletensprecher (aktuell Simon Diesch), beratend wird der jeweilige Bundestrainer hinzugezogen. Zudem nimmt ein DOSB-Vertreter als Gast teil. Im Spitzenbereich ergänzt ein Mitglied des Olympia-Segelausschusses (OSA) diese Gruppe, während im Nachwuchsbereich ein Mitglied des Ausschusses für Nachwuchsförderung (AfN) vertreten ist. Für den Nachwuchsbereich ist statt des Referenten Leistungssport der Bundesstützpunktleiter Moritz Klingenberg im Gremium.