Das Segelrevier für LA28: Begeisternd und herausfordernd

Die deutschen Seglerinnen und Segler haben die ersten Regatten auf den beiden künftigen Segelrevieren für LA28 bestritten. Zwei Jahre vor den XXXIV. Olympischen Spielen traten die Kiterinnen und Kiter und Windsurferinnen und Windsurfer vor Long Beach an, die Bootsdisziplinen im Port of Los Angeles. Die ersten Eindrücke beim German Sailing Team: positiv bis begeistert.

Bei der San Pedro Olympic Classes Regatta für 49er, 49erFX und Nacra 17 haben die Olympiaseglerinnen und -segler ihr zukünftiges Revier für den Kampf um olympisches Edelmetall kennengelernt. Cheftrainer Dom Tidey, der die Mannschaft über alle drei Regattablöcke im Juli und August in Los Angeles begleitet hatte, war am Ende des Intensivaufenthalts im Port of Los Angeles nicht nur bestens im Bilde, sondern auch begeistert.

Dom Tidey sagte: „Die Segelbedingungen waren fantastisch! Das Regattaprogramm war am Ende komplett. Es gab keine Verzögerungen, nur großartigen Segelsport. Wir sind mit Fragen hier angereist und mit Antworten gegangen. Für diese erste Vorbereitungsphase, dieses erste Camp hätten wir uns mehr nicht wünschen können.“

Nationalsegler schätzen das LA28-Hafenrevier

Den sehr guten Eindruck vom LA28-Hafenrevier verstärkten der souveräne Sieg von Richard Schultheis (Norddeutschen Regatta Verein) und Fabian Rieger (Verein Seglerhaus am Wannsee) und weitere Top-Ten-Platzierungen der deutschen Skiffsegler und -seglerinnen. Die 49er-Olympia-Elften Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) wurden Achte. Im 49erFX der Frauen segelten die Europameisterinnen Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) auf Platz sechs.

Auch in zwei Jahren segeln die sechs olympischen Bootsdisziplinen im Port of Los Angeles um die Medaillen – entweder innerhalb oder außerhalb der Hafenmauer. Was zu einer ganzen Bandbreite an Herausforderungen führt. Richard Schultheis berichtete: „Bei zwei verschiedenen Kursen haben wir ganz unterschiedliche Arten des Segelns erlebt.“

Im Detail erklärte Richard Schultheis zu den Außen- und Innenkursen: „Es hat total Spaß gemacht, draußen in den Wellen und in der Dünung zu segeln. Ebenso ist das Segeln im Hafen in drehenderen Bedingungen im Flachwasser eine schöne Herausforderung.“

Die Seebrise als Markenzeichen für den Port of Los Angeles

Bei der San Pedro Olympic Classes Regatta erlebten die Seglerinnen und Segler in den sechs olympischen Bootsklassen vor allem das Markenzeichen ihres künftigen Olympiareviers: die wie mit einem Schalter angeknipste, nachmittags loslegende Seebrise. Vor allem auf den Innenkursen kann es aber auch anders laufen.

Fabian Rieger sagte: „Die Bedingungen waren super für uns, allerdings kann es auch andere geben, die wir in unserer Woche nicht hatten. Vor allem, wenn hier mal leichtere Winde herrschen. Die 470er hatten in ihrer Woche zwei solche Tage. Doch unter dem Strich bleibt das Olympiarevier eines, in dem man zu der Jahreszeit jeden Tag segeln kann.“

Gefragt sind Bootsgefühl, Fitness und perfekte Manöver

Was es für künftige Medaillen im Olympiarevier braucht? Rieger sagt: „Man benötigt viel Bootsgefühl und allgemein eine sehr gute Fitness. Besonders auf den kurzen Innenkursen geht der Puls schon mal gut in die Höhe. Draußen ist es eher das Bootsgefühl. Es kann aber mit Welle auch gut sportlich werden. Man sollte manöversicher sein.“

So haben es auch Marla Bergmann und Hanna Wille im 49erFX erlebt. Marla Bergmann sagte: „Das Revier ist wirklich traumhaft! Wir hatten jeden Tag guten Wind. Wenn man drinnen vor der Breakwall segelt, ist es absolutes Flachwassersegeln. Draußen kommen der Pazifik, Welle und Strömung dazu.“ Nach dem ersten Trainings- und Regattablock zwei Jahre vor den Olympischen Spielen sagte die Olympia-Sechste von Marseille: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in zwei Jahren hier ganz vorne mitspielen können.“

„Geniale Segelbedingungen“ für die 470er

470er segeln unter Spinnaker, im Hintergrund ist ein Leuchtturm zu sehen
Segeln vor der historischen Kulisse des Los Angeles Harbour Light House von 1913. Foto: Lexi Pline

Die deutschen 470er-Teams konnten schon Ende Juli erste Erfahrungen im künftigen Olympiarevier sammeln. Auch sie taten es mit Erfolg: Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) gewannen Testsilber im top-besetzten Feld.

Die Vorschoterin sagte über das Revier: „Wir hatten eine Woche mit ziemlich genialen Segelbedingungen, auf Rennkursen innerhalb und außerhalb der Hafenmauer. Von Flachwasser und eher böig-drehigen Bedingungen bis hin zu ein bisschen mehr Welle und stärkeren Winden hatten wir alles dabei. Unser erster Eindruck vom Olympiarevier ist echt positiv, auch wenn es einen immer wieder fordert.“

Long Beach/Belmont Shore: Olympiarevier mit Silberstreif aus der Vergangenheit

Etwas mehr als eine Handvoll Kilometer entfernt vom Port of Los Angeles werden 2028 Frauen und Männer in den Disziplinen Kite- und Windsurfen um vier olympische Medaillensätze kämpfen. Auch sie erlebten in diesem Sommer ihren ersten großen Olympiatest bei der Long Beach Olympic Classes Regatta.

Auch Long Beach ist nicht neu als Wettkampfort in der Olympiageschichte. 1932 gastierten hier bereits Segler im Hafenrevier, Edgar Behr vom Norddeutschen Regatta Verein gewann Bronze im 12-Fuß-Dinghy. 1984 gewannen Achim Griese und Michael Marcour (Norddeutscher Regatta Verein) vor Long Beach Olympia-Silber im Starboot.

Olympia-Test mit technischen Hausaufgaben für die Board-Disziplinen

Viele Kitesurfer vor der Kulisse von Long Beach
Die Kitesurfer hatten vor Long Beach teils mit kollabierenden Kites zu kämpfen. Foto: Simone Staff

Beim Testevent erlebten Kiterinnen und Kiter, Windsurferinnen und Windsurfer ihr künftiges Olympiarevier als schön, aber auch herausfordernd. Der Olympia-Fünfte Jannis Maus von den Cuxkiters hatte wie auch andere namhafte Kiter mit unerwarteten technischen Herausforderungen zu kämpfen: Die Kites funktionierten nicht wie erwartet, kollabierten zu oft.

Jannis Maus sagte danach: „Ich habe sehr viel gelernt. Das Revier ist sehr schön, aber die Klimabedingungen sind sehr speziell. Wir vermuten, dass es an der Kombination aus der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und den Windbedingungen vor Ort liegt. Daran arbeiten wir jetzt.“

Der olympische Segelzeitplan für LA28

Die beiden olympischen Segelrevier. Quelle: LA28

Am 16. Juli 2028 werden die ersten Startschüsse zur Olympiaregatta vor Long Beach für Kiterinnen und Kiter fallen, am 17. Juli 2028 steigen auch die Windsurferinnen und -Windsurfer ein. Am 19. Juli werden die Formula-Kite-Medaillen für Frauen und Männer vergeben, am 20. Juli die besten iQFOiL-Athletinnen und -Athleten geehrt. In Phase zwei folgen die olympischen Serien im Port of Los Angeles für ILCA 6 und ILCA 7 (23. bis 26. Juli), für 470er-Mixed und Nacra 17 (24. bis 27. Juli) sowie für die Skiffdisziplinen 49er und 49eFX (25. bis 28. Juli).