
Starker erster Aufschlag der 470er-Nationalseglerinnen und -segler im kommenden Olympiarevier von LA28: Bei der San Pedro Olympic Classes Regatta demonstrierten die Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort einmal mehr ihre Weltklasse. Mit zwei weiteren Top-Sechs-Platzierungen unterstrichen auch ihre Teamkolleginnen und -kollegen die starke Mannschaftsleistung.
Mit 19 Booten hatte die 470er-Mixed-Flotte bei der Olympic Classes Regatta in San Pedro genau die Größe, die sie auch bei der Olympiaregatta in zwei Jahren im selben Revier haben wird. Schon deshalb war dieser erste Olympiatest von besonderem Interesse.
Die 470er-Nationalseglerinnen und -segler haben ihre Chance erfolgreich genutzt. Die Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) glänzten im künftigen kalifornischen Olympiarevier mit Silber.
Anna Markfort: „Unser erster Eindruck vom Olympiarevier ist echt positiv“
Mit drei Rennsiegen in zwölf Wettfahrten, darunter zwei am Vorschlusstag, hatte sich das Team Diesch/Markfort eine herausragende Ausgangsposition für die Medal Races erarbeitet. Geschlagen geben mussten sie sich nach den Finalrängen 8 und 7 nur den Briten Martin Wrigley und Bettine Harris. Bronze holten die Schweden Anton Dahlberg und Lovisa Lindner.
„Wir hatten hier eine Woche mit ziemlich genialen Segelbedingungen, konnten auf drei verschiedenen Rennkursen segeln. Wir hatten von Flachwasser und eher drehig-böigen Bedingungen bis zu etwas mehr Welle und auch stärkeren Winden alles dabei“, sagte Anna Markfort.
Die olympischen Bootsklassen segeln auf dem Olympiarevier für 2028 innerhalb oder außerhalb der Hafenmauer. „Es ist ein Revier, das uns auch immer wieder gefordert hat, wie man an einzelnen Rennergebnissen sehen kann, aber wir haben uns wohlgefühlt“, sagte Anna Markfort.

Womit ihr Team so erfolgreich punkten konnte? „Auf jeden Fall mit allem, was wir uns vorgenommen haben und woran wir seit Saisonbeginn gemeinsam mit unserem Coach und unserer Sportpsychologin arbeiten,“ sagt Anna Markfort und fügt hinzu: „Und damit, dass wir gut darin sind, Boote zu überholen. Siehe unser gerissener Unterliekstrecker. Da sind wir vom letzten Platz an der ersten Luvtonne noch auf Platz acht vorgefahren. Ich glaube, das spricht für sich.“
„Doppel-Bullets“ für zwei deutsche Crews
Heiter berichtete Anna Markfort weiter von zwei Rennsiegen an nur einem Tag: „Es war cool, dass sowohl Theres und Paco als auch wir jeweils zwei Bullets an einem Tag hatten. Blöd nur, dass die Briten für ihre Bullets den Tag mit drei Rennen erwischt haben.“
Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau) erkämpften in San Pedro Platz fünf. Steuerfrau Theres Dahnke sagt: „Unser erster Eindruck vom Olympiarevier ist echt gut! Ich hätte nicht gedacht, dass es so abwechslungsreich ist, weil es vorher immer hieß, dass da jeden Tag Seebrise und 15 Knoten Wind herrschen. Tatsächlich ist es auch wellentechnisch je nach Kurs sehr unterschiedlich – innerhalb und außerhalb der Hafenmauer.“
Auch die Windzuverlässigkeit des Reviers hat Theres Dahnke beeindruckt: „Wir konnten immer segeln, hatten keine Ausfalltage.“ Ihrer Crew kamen besonders die „Binnenkurse“ innerhalb der Hafenmauer entgegen. „Da ist es bei Flachwasser ein kleines bisschen drehiger. Da konnten wir mit unseren zwei ‚Bullets‘ gut punkten. Ein cooler Tag, der uns viel Selbstvertrauen gegeben hat.“
Hochmotiviert beendeten auch Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) ihren ersten Testlauf im kommenden Olympiarevier als Sechste.
Nächster Halt: WM in Enoshima
Theresa Löfflers Fazit: „Das Olympiarevier gefällt uns sehr gut. Es bietet super Bedingungen, meist mit Seebrise und guter Welle. Einige Rennen sind wir auch innerhalb der Hafenmauer gefahren, wo es ziemlich gedreht hat und wir sehr kurze Kurse gefahren sind. Da ging es mehr ins Medal-Race-Gefühl. Das Revier hat sich auch mit Leichtwind gezeigt, erfordert daher sehr unterschiedliche Qualitäten.“
Als beste Qualitäten ihrer Crew in dieser Woche nannte Theresa Löffler die Start- und Amwind-Stärken und sagte: „Das war noch einmal eine gute Vorbereitung auf die WM in Japan.“

Der Jahreshöhepunkt der olympischen 470er-Segler steigt vom 10. bis 17. August im ehemaligen Olympiarevier von Enoshima. „Da sind wir mit mehr als 70 Booten ein deutlich größeres Feld, können nach Erzählungen auch meist mit gutem Wind und hoher Welle rechnen“, warf Theresa Löffler einen Blick voraus. „Für uns wird es das erste Mal in Enoshima sein. Wir sind gespannt und freuen uns auf den Saisonhöhepunkt.“
Cheftrainer Dom Tidey: „Wir sind gut positioniert“
Sportdirektorin Nadine Stegenwalner und Cheftrainer Dom Tidey hatten die Nationalseglerinnen und -segler sowie ihre Trainer ins Olympiarevier von LA 2028 begleitet, um sich vor Ort einen guten Überblick zu verschaffen und die Planungen für die Olympischen Spiele in zwei Jahren voranzutreiben.
Dom Tidey ist weiter vor Ort und sagte: „Letzte Woche waren die Kiter und iQFOiLer in Long Beach im Rahmen des Sailing Grand Slam gefordert – eine starke Vorbereitung auch auf die iQFOiL-WM im September. Diese Woche lag unser Fokus auf San Pedro und den 470ern.“
Dom Tideys Eindruck: „Es ist ein wirklich lohnender erster Besuch an den Austragungsorten für den olympischen Segelsport bei Olympia 2028 in Los Angeles. Es ist ein hervorragender Segelort mit überwiegend gutem Wind, aber genügend Abwechslung, um wirklich anspruchsvolle Bedingungen zu schaffen. Genau diese Mischung führt zu fairen Wettkämpfen. Hier in San Pedro mit drei Booten unter den ersten Sechs und einer Silbermedaille abzuschließen, ist genau die Art von Ergebnis, die zeigt, dass wir mit der Vorbereitung auf Kurs sind – ein fantastisches Ergebnis.“
Teamführung stellt erste Weichen für LA28
Auch Sportdirektorin Nadine Stegenwalner ist gerade mit vielen guten Eindrücken aus Los Angeles nach Kiel zurückgekehrt und sagte: „Es ist ein wirklich schönes Revier. Die Bilder zeigen es. Das gilt für die Boards in Long Beach wie auch für die Boote in San Pedro. Die Olympic Classes Regatta hat sportlich Lust auf die Olympischen Spiele gemacht und wir konnten vor Ort schon erste wichtige Weichen stellen. Dass die 470er-Crews so erfolgreich waren, gibt viel Motivation für den Weg nach LA28.“
Während die 470er-Crews direkt nach Enoshima weiterreisen, treffen nun die Skiffseglerinnen und -segler zu Teil drei der Olympic Classes Regatta in San Pedro ein. Für sie beginnt der erste Olympiatest am 1. August.
Unter diesem Link geht es zu den Ergebnissen der Olympic Classes Regatta San Pedro.