Bergmann/Wille und Schultheis/Rieger auf dem EM-Podium

Die Segelnationalmannschaft hat es beim EM-Heimspiel in Eckernförde mit einmal Gold im 49erFX und einmal Bronze im 49er krachen lassen. Deutschlands beste Skiffsegler und -seglerinnen sind zur Halbzeit der laufenden Olympiade auf Kurs LA28 gut in Form.

Zwei Seglerinnen freuen sich über den Erfolg bei einer Regatta auf der Skiffjolle 49er FX.
Vorschoterin Hanna Wille und Steuerfrau Marla Bergmann freuen sich über den gemeinsamen Erfolg bei der EM. © Nimanet

Die besten deutschen Skiffseglerinnen und -segler haben die Europameisterschaft in Eckernförde zum Medaillenfest gemacht. Bei der EM für 49er, 49erFX und Nacra 17 haben die Duos des German Sailing Teams zweimal Edelmetall gewonnen.

Ihren Titel verteidigten Marla Bergmann und Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) im 49erFX. Zwar mussten sich die deutschen Olympia-Sechsten von Marseille den kanadischen Kieler-Woche-Siegerinnen Georgia und Antonia Lewin-LaFrance in der offenen Wertung geschlagen geben, doch europäisch war ihre Leistung Gold wert.

„Wir haben uns nach den Olympischen Spielen für eine Weile aufs Studium konzentriert und uns dann Schritt für Schritt an die Weltspitze zurückgearbeitet. Wir sind zur Halbzeit auf unserem Weg zu den Spielen in LA 2028 genau da, wo wir sein wollen. Wir freuen uns sehr, dass wir den Titel verteidigen konnten“, sagte die 24 Jahre alte Steuerfrau Marla Bergmann beim gelungenen Heimspiel in Eckernförde.

Mit Konstanz aufs EM-Podium

Gerne hätte das norddeutsche Duo in den beiden am Sonntag angesetzten Medaillenrennen noch um den Gesamtsieg gekämpft, doch die Finalläufe konnten bei zu schwachen Winden nach sehr abwechslungsreicher EM-Woche nicht mehr ausgetragen werden. Die Leistung ihrer Crew, so Marla Bergmann, „hat uns in unserer Winterarbeit bestätigt“. Sie erklärte: „Wir waren zum EM-Auftakt auch schon mal Zweite, hatten dabei krass guten Bootsspeed.“

Die 49er FX Europameisterinnen 2026 Hanna Wille und Marla Bergmann.
Hanna Wille (links) und Marla Bergmann konnten im 49er FX ihren Europameisterinnentitel verteidigen. © Nimanet

Was den Unterschied zu den dominanten Kanadierinnen ausmachte? Marla Bergmann sagte: „Es war beeindruckend, wie die beiden auch in drehenden Bedingungen konstant gesegelt sind.“ Auch Marla Bergmann und Hanna Wille haben sich in dieser Saison ihre Event-Konstanz zurückerkämpft. Die Steuerfrau sagte: „Wir waren bei jedem Event in den Top Ten. Wir sind in diesem Jahr bei der WM und bei der Trofeo Princesa Sofía zweimal als Vierte ins Finale gegangen. Jetzt hier bei der EM ist es aufgegangen!“

 

Das olympische Medaillenziel motiviert

Auf Kurs Los Angeles 2028 bleiben Marla Bergmann und Hanna Wille auch weiter stark von ihren Olympia-Eindrücken vor zwei Jahren in Marseille motiviert. Marla Bergmann sagte: „Wenn man sich an die Siegerehrung bei Olympia erinnert, wo man gesehen hat, wie die anderen die Medaillen bekommen haben, dann weiß man: Das ist das Ziel!“

Das olympische Medaillenziel verfolgen auch die Teamkameradinnen und Olympiakaderseglerinnen Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee).

Ein Startfeld der 49er FX.
Die EM der olympischen Skiffjolle fand kurz nach der Kieler Woche in Eckernförde statt. © Nimanet

Dem Duo taten die ausgefallenen Medaillenrennen weh, weil sie keine Chance mehr bekamen, mit ihren bekanntermaßen guten Endspurtqualitäten noch zum Sprung aufs Podest anzusetzen. Als Vierte der geschlossenen EM-Wertung aber sorgten Steinlein/Bartelheimer dafür, dass die Nationalseglerinnen im 49erFX die beste europäische Mannschaftsleistung beim Heimspiel zeigten.

Dazu segelten Katharina Schwachhofer und Elena Stoltze (Württembergischer Yacht-Club/Segelkameradschaft Leopoldshafen) in der geschlossenen EM-Wertung auf Platz 13. Auch SailGP-Strategin Anna Barth konnte sich unter 54 Booten aus 25 Nationen mit ihrer Vorschoterin Emma Kohlhof (beide Kieler Yacht-Club) als EM-Siebzehnte in den Top-20 behaupten.

Beifall vom Cheftrainer aus Los Angeles

Cheftrainer Dom Tidey, der mit einem Teil der Segelnationalmannschaft gerade für einen längeren Trainings- und Regattablock im künftigen Olympia-Revier von Los Angeles im Einsatz ist, sagte: „Was für eine Woche für das ganze Team! Wir sind wieder Europameister. Marla und Hanna haben ihren Titel mit Stil verteidigt. Und auch Sophie und Cathy haben ihre großartige Konstanz in diesem Jahr erneut unter Beweis gestellt.“

Zwei Männer in grauen Shirts vor einem schwarzen Segel.
Fabian Rieger (links) und Richard Schultheis freuen sich über den ersten gemeinsamen internationalen Titel. © Nimanet

Weiter sagte Tidey: „Ich bin stolz darauf, wie das ganze Team gearbeitet und auch dem mentalen und physischen Druck standgehalten hat, den so ein Heimspiel in der Regel mit sich bringt. Dazu die brillante Bronze-Medaille, mit der sich Richard und Fabi für ihre harte Arbeit belohnt haben. Das ist ihr erster Podiumsplatz bei großen Titelkämpfen. Darüber freue ich mich auch sehr für sie.“

Mit EM-Bronze zurück an die Arbeit

Auch Richard Schultheis und Fabian Rieger hätten gerne die nicht mehr ausgetragenen Medaillenrennen zum Kampf um noch glänzendere Medaillen genutzt. Trotzdem zogen der in Berlin geborene und auf Malta großgewordene, erst 21 Jahre alte Steuermann und sein 30-jähriger Vorschoter eine positive Bilanz.

Richard Schultheis sagte: „Wir sind zufrieden mit unseren Leistungen, sowohl bei stärkeren Winden als auch bei Leichtwindbedingungen konnten wir liefern, als es wichtig war. Zur Regattamitte hatten wir etwas zu kämpfen. Wir kehren jetzt zur Arbeit zurück und schauen, dass wir die Lücken schließen können.“

Die offen ausgetragene 49er-EM mit 93 Teams aus 31 Nationen gewannen die neuseeländischen Weltmeister Seb Menzies und George Lee Rush vor den neuen britischen Europameistern James Grummett und Rhos Hawes. Hinter den EM-Silbermedaillengewinnern Mikolaj Staniul/Jakub Sztorch (Polen) holten Schultheis/Rieger ihre Bronzemedaille.

Einen starken Eindruck hinterließen erneut Simon Heindl und Conrad Jacobs mit Platz zehn in der geschlossenen EM-Wertung (14 in der Open-Wertung). Das Duo vom Kieler Yacht-Club konnte in der Goldflotte sogar einen dritten Rang ersegeln. „Sie sind noch jung und das ist ein nächster starker Schritt vorwärts“, sagte Dom Tidey.

Ein deutsches Nacra-Duo bei der EM

Ihre erste gemeinsame EM im Nacra 17 haben Julian Hoffmann (Verein Seglerhaus am Wannsee/Segelclub Alpsee-Immenstadt) und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) auf Platz 22 abgeschlossen. Der ILCA-7-Steuermann und die Nacra 17-Olympia-Dritte von 2021 in Enoshima loten aktuell aus, ob sie eine Chance für eine vereinte Olympia-Kampagne auf zwei olympischen Rümpfen sehen. „Wir haben bis zur EM nur knapp 30 Tage auf einem Boot gearbeitet und hatten hier einige starke Momente“, zog Julian Hoffmann nach der EM eine Zwischenbilanz.

Julian Hoffmann und Alica Stuhlemmer haben zusammen im Nacra17 an der EM vor Eckernförde teilgenommen. © Nimanet

 

Unter diesem Link sind alle Ergebnisse der Europameisterschaft 49er, 49erFX und Nacra 17 zusammengefasst.