Bittersüßes WM-Ergebnis für die deutschen Skiffs in Quiberon

Die deutschen Seglerinnen und Segler hatten sich bei der Weltmeisterschaft der Skiffs in der Bucht von Quiberon viel vorgenommen. Mit drei 49er-Duos und fünf 49er FX in den Goldflotten war der Grundstein sehr gut gelegt. Mit den Plätzen vier, fünf und sieben überzeugte das German Sailing Team, konnte aber die erhofften Medaillen nicht holen.

Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger im Finalrennen der 49er-WM 2026
Geblockt durch das australische Team in Lee, konnten Meggendorfer/Spranger im Medal Race zu lange nicht in die inzwischen bevorteilte Mitte des Kurses halsen. Foto: Sailing Energy

Es war eine turbulente WM-Woche in den drei olympischen Segeldisziplinen 49er, 49er FX und Nacra 17. Ob Powerplay im Starkwind der ersten Halbzeit oder Segelschach in der zweiten WM-Hälfte: Fast 350 olympische Seglerinnen und Segler mussten die gesamte Klaviatur beherrschen, um in die Medaillenfinals vorzudringen.

In den Skiff-Klassen war das drei Crews aus dem German Sailing Team gelungen. Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) hatten sich als starke Dritte nach der 49er-Hauptrunde für die beiden Medaillenrennen ihrer Disziplin qualifiziert. Ihre Top-Leistungen der WM-Woche setzten sie im ersten Finallauf fort, rückten sogar auf den Silberrang vor. Dann aber wurde ihnen nach erneut gutem Start im zweiten Medaillenrennen ein flaues Feld auf dem letzten Downwind-Abschnitt der 49er-Weltmeisterschaft zum Verhängnis.

Meggendorfer/Spranger sind WM-Vierte

Jakob Meggendorfer udn ANdreas Spranger unterhalten sich nach dem letzten WM-Rennen auf ihrem Boot.
Kurz nach dem Finalrennen überwog noch die Enttäuschung über den verlorenen dritten Platz, doch Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger haben sich nach längerer Verletzungspause eindrucksvoll in die 49er-Weltspitze zurückgekämpft. Foto: Sailing Energy

Geblockt durch das australische Team in Lee, konnten Meggendorfer/Spranger zu lange nicht in die inzwischen bevorteilte Mitte des Kurses halsen. „Die Australier sind uns in Lee reingerutscht und wir sind einfach nicht mehr aus unserer Ecke zurückgekommen. Als wir dann halsen konnten, konnten sie quasi draufhalsen. Und wenn die anderen dann drei Knoten mehr Wind haben, fahren sie mit sechs Knoten Speed mehr eben davon“, erklärte Andreas Spranger den unglücklichen Tiefschlag am Ende einer bis dahin so erfolgreichen Woche mit dem besten WM-Ergebnis ihrer Karriere.

Der zehnte und letzte Rang im letzten Medaillenrennen kostete die Bayern die Medaille. Andi Spranger sagte danach: „Heute sind wir traurig und enttäuscht, dass wir die Medaille nicht gewinnen konnten. In ein paar Tagen können wir sicher auch stolz auf unsere Leistung sein.“ Weltmeister wurden die Neuseeländer Seb Menzies und George Lee Rush (31 Punkte) vor den Österreichern Keanu Prettner/Jakob Flachberger (37 Punkte) und den punktgleichen Niederländern Bart Lambriex van Aanholt/Floris van de Werken.

Turbulente Finalläufe im 49er FX

Die deutschen 49er FX-Crews im Medal Race. Foto: Sailing Energy

Mit zwei Crews und einigem Medaillenhunger war das German Sailing Team in die beiden Medaillenrennen der 49erFX-Frauen eingezogen. Aufgrund der Punktkompression im neuen Finalformat der Skiffseglerinnen und -segler hatten sowohl die Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) als auch Maru Scheel/Freya Feilcke (Kieler Yacht-Club) vor dem Finale realistische Medaillenchancen. In den dann sehr turbulenten beiden Finalläufen wendeten sich die Blätter aller zehn Top-Crews ständig.

Die in der Woche stark dominierenden spanischen Titelverteidigerinnen Paula Barcélo/Maria Cantero (47 Punkte) verloren ihre Goldposition noch an die Norwegerinnen Pia Dahl Andersen/Nora Edland (46 Punkte). WM-Bronze gewannen Aleksandra Melzacka/Sandra Jankowiak (51 Punkte). Maru Scheel und Freya Feilcke (52 Punkte) wurden in der WM-Endabrechnung Fünfte, Marla Bergmann und Hanna Wille mit 53 Punkten im heftig umkämpfen Frauen-Finale Siebte.

Maru Scheel udn Freya Feilcke bei starkem Wind in Action auf ihrem 49er FX
Maru Scheel und Freya Feilcke profitierten in der herausfordernden WM-Woche von ihrem guten Bootsgefühl. Foto: Sailing Energy

Steuerfrau Maru Scheel sagte nach dem engen Finale in Quiberon: „Wir haben erst an Land erfahren, welcher Platz es geworden ist. Vor der WM hätten wir den sofort genommen. Heute war aber auch ein bisschen Schmerz dabei. Doch überwiegend sind da Stolz und Freude.“ Aufgefallen sind Maru Scheel „extrem viele Manöver“ in den Medaillenläufen. Das spricht gegen das, was man sonst macht. Und für schwierige Bedingungen.“

Als beste Qualität ihrer Crew nannte Maru Scheel „das gute Bootsgefühl, das wir die ganze Woche hatten“. Es helfe sehr, wenn man nicht mit dem Boot kämpfen müsse, sondern „aus dem Boot schauen“ könne, um strategisch zu planen. Das neue Finalformat mit seiner starken Punktkompression vor den jeweils zwei Medaillenrennen hat den Rennen tatsächlich kaum vorhersehbare Ergebnisse und das erhoffte Plus an Spannung beschert. „Man kann auch sicher sagen, dass dadurch keine Matchraces aufkommen, weil alle so eng beieinander liegen und man nicht auf ein bestimmtes Team segeln kann“, erklärte Maru Scheel.

German Sailing Team: auch ohne Medaillen stark

Marla Bergmann und Hanna Wille beim Start zum WM-Finalrennen
Marla Bergmann und Hanna Wille beim Start zum Finalrennen. Foto: Sailing Energy

Cheftrainer Dom Tidey zog nach dem WM-Finale für 49er und 49er FX – im Nacra 17 war kein GER-Team am Start – mit einem weinenden und einem lachenden Auge Bilanz. Der Head Coach des German Sailing Teams sagte: „Es ist ein bittersüßes Ergebnis. Zum einen ist es immer hart, wenn man die Medaillen so knapp verpasst. Zum anderen blicken wir auf eine der hochwertigsten Weltmeisterschaften seit Langem zurück. Im Finale ging es auch darum, die Möglichkeiten zu finden. Es gab kein Windmuster und es war auch ein bisschen Glück im Spiel.“

Bei seiner Abreise nach Kroatien zur dort bereits gestarteten ILCA-Europameisterschaft sagte Dom Tidey beim Rückblick auf die abwechslungsreiche Skiff-WM-Woche: „Wir sollten happy sein. Wir befinden uns im Aufbau für LA 28 und haben sehr talentierte junge Athletinnen und Athleten. Im Bootspark waren die Leute eher beunruhigt, dass wir mit drei Männer- und fünf Frauen-Teams in die Goldflotten eingezogen waren. Das ist eine Ansage.“

Zu den WM-Endergebnissen für 49er und 49erFX geht es hier.